"Das werd' ich doch wohl sagen dürfen?"

Ich bin für den uneingeschränkten Familiennachzug, weil die Sorge um zurückgebliebene Angehörige jegliche Integration erschwert oder unmöglich macht. Ich bin gegen die Residenzpflicht, weil es kontraproduktiv ist, jemanden in einer Gegend, in der er keine persönliche, soziale, berufliche, integrative oder wie auch immer geartete Perspektive hat, festzuhalten. Ich bin gegen die Abschiebung nach Afghanistan, weil Afghanistan ein Kriegsland ist und in keinem Landesteil sicher. Ich bin dafür, Menschen, die eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle haben oder in echter binationaler familiärer Bindung leben, grundsätzlich nicht abzuschieben.

 

Ich bin für eine deutschlandweite umfassende Gesundheitsversorgung vom ersten Tag an, weil das Recht auf Gesundheit und körperliche wie seelische Unversehrtheit eines der grundlegendsten Menschenrechte überhaupt ist. Mit der derzeit in Sachsen und anderen Bundesländern üblichen Notfallregelung der ersten fünfzehn Monate werden Menschenleben gefährdet und Kosten in die Höhe getrieben, denn wiederholte Notfallbehandlung ist teurer als reguläre medizinische Versorgung. (In meinem Buch nenne ich dafür eindrucksvolle Beispiele.)

 

Ich bin für eine Arbeitserlaubnis vom ersten Tag an und das parallele Erlernen der deutschen Sprache, weil das Gelernte dann sofort angewendet werden kann und muss und weil die Euphorie der Ankunft und Übertragung von Eigenverantwortung ein großes Potential darstellt, das durch die überbordende Bürokratie ungenutzt verpufft und später in Frust, Wut und Depression umschlägt. Ich kenne aus eigenem Kontakt keinen einzigen Flüchtling, der nicht arbeiten will. Ich kenne aus eigenem Kontakt viele Flüchtlinge, die sich auf Sozialleistungen ausruhen müssen, weil sie aufgrund der deutschen Asylregeln keine andere Möglichkeit bekommen. Es will kein einziger, den ich persönlich kenne.

 

Ich bin davon überzeugt, dass die deutsche Gesetzgebung und Bürokratie das Leid vieler Flüchtlinge noch verschärft, statt es zu lindern. Zu all diesen Schlüssen und Überzeugungen komme ich nach langjährigem persönlichen Kontakt mit insgesamt mehreren Hundert Flüchtlingen.

 

Das werd‘ ich doch wohl sagen dürfen, ohne dass morgen meine Autoreifen zerstochen sind und Hakenkreuze an meiner Tür prangen? Das werd‘ ich doch wohl sagen dürfen, ohne dass jetzt ein rassistischer Shitstorm über mich hereinbricht? Meine Erfahrung lehrt mich leider anderes. Aber ich sage es trotzdem …!


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Kommentare: 1
  • #1

    Rebecca (Samstag, 22 September 2018 17:15)

    Ich habe keinen Shitstorm mitgebracht, sondern ein bestätigendes Nicken.
    Selbstverständlich sollte man niemals unreflektiert Worte anderer als Wahrheit ansehen (was heutzutage nur zu häufig passiert), doch deine Aussage ist schlüssig und enthält Hoffnung und Zuversicht. Ich danke dir, dass du nicht schweigst.
    Und ja, du hast keine verachtenden Schimpfworte verwendet, sondern konstruktiv Kritik geäußert. Es gäbe nicht einen Ansatz, dir das streitig zu machen. Ich wünschte, mehr freie Meinungsäußerungen würden nicht nur Schuld zuweisen, sondern einen Apell beinhalten, über den sich sinnvoll diskutieren lässt.
    Danke.

    Aus aktuellen, privaten Ansichten heraus stimme ich dir übrigens voll und ganz zu.
    Wir "bürokratisieren" einen eigentlich sehr humanitären Ansatz kaputt.