Flüchtlingselend und Corona

Dresden, 18.März 2020

 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

eine Gesellschaft ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Angesichts der Coronavirus-Pandemie bedarf es neben des Schutzes der eigenen Bevölkerung vor allem und vordringlich der Fürsorge für die Schwächsten der Schwachen – und das sind derzeit die Flüchtlinge, die an der türkisch-griechischen Grenze und in Lagern in Griechenland gefangen sind.

 

Für diese Menschen gibt es nicht die geringste Chance auf Einhaltung auch nur basalster Hygieneregeln, sie leben auf engstem Raum zusammen, sie sind immungeschwächt, sie haben keine körperlichen Reserven, sie haben eine mangelhafte Ernährung und keinerlei medizinische Versorgung. Ein Ausbruch von Covid-19 in diesen Lagern hätte ein unkontrolliertes Massensterben zur Folge.

 

Ich appelliere an Sie und fordere Sie auf, unverzüglich die Evakuierung und unbürokratische Aufnahme dieser Menschen zu veranlassen. Andernfalls müssen Sie sich vorwerfen lassen, mindestens grob fahrlässig, wenn nicht sogar vorsätzlich den Tod von ggf. Hunderten oder Tausenden von Menschen mit verantworten zu müssen. Die Aussage, dass sich eine Situation wie 2015 nicht wiederholen darf, wirkt vor diesem Hintergrund zynisch. Sie darf sich nicht nur wiederholen, sondern Humanität und Ethik gebieten es, dass sie sich wieder holen muss!

 

Es ist Ihre und unser aller Pflicht, den Schwächsten der Schwachen zu helfen, gerade und insbesondere jetzt während der Corona-Pandemie! Ich bin bereit, meinen Beitrag dafür zu leisten. Ich bin bereit, Flüchtlinge medizinisch zu versorgen und bei mir aufzunehmen, genau wie ich es 2015 getan habe. Bitte tragen auch Sie Ihren Teil der Verantwortung! Es gibt nur eine Lösung: Evakuierung und Aufnahme dieser Menschen jetzt – gerade jetzt.

 

Ich erwarte Ihre persönliche, aussagefähige Antwort bis zum 20.04.2020 (bitte keine Floskeln und Textbausteine) und Ihr unverzügliches Handeln in Bezug auf die Sache. Gern stehe ich Ihnen zum Dialog, auch persönlich, zur Verfügung. Ein Brief gleichen Wortlautes erging am heutigen Tag auch an Frau Bundeskanzlerin Merkel.

Hochachtungsvoll!

 


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