An meine Familie

Meine Zeit in Kambodscha war trotz allen Elends und aller Entbehrungen die schönste und wichtigste meines Lebens. Sie hat mir die Augen geöffnet und mein Weltbild geprägt.

 

Euch, meine Familie, war egal, was ich in Kambodscha gemacht habe. Ihr habt es schweigend akzeptiert. Aber nie habt ihr wirklich hinter mir gestanden. Du, mein  Bruder, hast zu mir gesagt, ich soll mich stattdessen lieber um meine (sic!) älter werdende Mutter kümmern. Und ich soll nicht damit rechnen, dass du mich zurückholst, wenn ich in Schwierigkeiten sei. Danke für deine Offenheit, mein Bruder, denn so wusste ich, dass ich mich im Falle eines Falles gar nicht erst an dich zu wenden brauchte. So konnte ich dich rechtzeitig von meiner Notfallliste streichen, bevor ich dir Schwierigkeiten machen konnte.

 

Ich hielt über Jahre gut besuchte Vorträge über diese Arbeit. Ich füllte Hörsäle mit ein paar hundert Plätzen bis auf den letzten. Zuhörer hatte ich aus ganz Europa, manche reisten immer wieder von weither an, um zu sehen, wie es mit meinem Krankenhaus in Kambodscha weiterging. Ihr, meine Familie, wart nie im Publikum, kein einziges Mal. Auch meine Projekthomepage habt ihr nie besucht, nie einen Kommentar hinterlassen. Und natürlich habt ihr auch nie einen Cent gespendet. Hauptsache, mein Bruder, deinen Autos geht es gut. Tausende Euro hast du in die Restaurierung von deinen geliebten Oldtimern gesteckt. Wie viele Menschen hätte man diesem Geld retten können! Ich bekam so unendlich viel Zuspruch und hatte Unterstützung aus aller Welt – nur nicht von meiner Familie.

 

Was ich seit 2015 mache, interessiert euch ebenso wenig. „Wenn wir uns treffen, reden wir aber nicht über Flüchtlinge!“ Jeder in der Familie redet über das, was ihn bewegt – du, mein Bruder, vornehmlich über dein altes Blech. Du, meine Schwägerin, über dein neuestes Fotobuch. Du, meine Nichte, über Freunde, Partys und Australien, dein Mann genauso über Autos wie dein Vater. Du, meine Nichte, hast in der Schule einen Aufsatz darüber geschrieben, wie ich einem jungen Vogel das Leben rettete. Dass ich im selben Zeitraum hunderten von Menschen das Leben rettete, hast du niemals erwähnt. Du, mein Cousin und deine Frau, ihr redet über deine ehemalige Firma, alte Zeiten und Hunde. Jeder redet über das, was ihn bewegt, aber ihr verbietet mir, über das zu sprechen, was mich bewegt! Wer bin ich eigentlich, dass ich mir von euch das Wort verbieten lasse? Ich bin deswegen wütend auf mich selber!

 

Ihr ward nie in einem Flüchtlingsheim. Ihr habt nie einen Augenzeugenbericht über explodierende Bomben und einstürzende Wohnhäuser, über tote Angehörige und kaputte Schlauchboote auf dem Meer gehört. Ihr habt nie einen Flüchtling getroffen, geschweige denn mit ihm gesprochen. Ihr habt erst recht nicht in den Arm genommen und Tränen getrocknet. Und – ihr wollt das auch gar nicht! Ihr wollt das gar nicht, aber ihr greift MICH wegen meiner Arbeit, wegen meiner Haltung und wegen meiner Kontakte zu Flüchtlingen an! Zu meinem Buch habt ihr nie irgendetwas Inhaltliches gesagt. Habt ihr es überhaupt gelesen? Wenn wir wenigstens sachlich diskutieren könnten! Stattdessen: Schweigen. Schweigen oder Schuldzuweisungen. „Wenn wir uns treffen, reden wir aber nicht über Flüchtlinge!“ Herzlichen Dank für eure unsägliche Ignoranz!

 

Mein größter Wunsch für meine Zukunft? Noch einmal so etwas machen wie in Kambodscha. Noch einmal den Ärmsten der Armen helfen, noch einmal für die da sein, um die sich sonst niemand kümmert, noch einmal ein Krankenhaus aufbauen. In Syrien, im Irak oder Afghanistan oder sonstwo. Aber wenn ich das auch nur andeute, dann herrscht – betretenes Schweigen und Augenrollen. Es interessiert euch einfach nicht. Oder habt ihr etwa tief in euch drin doch ein schlechtes Gewissen?

 

Du, meine Mutter, du hast mich gelehrt, für andere da zu sein. Du warst immer für andere da, auch für Fremde und vor allem für deine Hunde. Tiere waren dir immer wichtiger Menschen. Auch du hast nie im Publikum gesessen, wenn ich Vorträge hielt. Du hast deine Mutter gepflegt und deinen Mann und die Hunde der Nachbarschaft. Du hattest da natürlich keine Zeit für deine erwachsene Tochter, und hast von mir Verständnis dafür erwartet. Du bist dennoch die einzige, die noch hinter mir steht, aber auch du brichst die Unterhaltung ab, wenn ich von meinem größten Herzenswunsch der Zukunft spreche. Auch du reagierst zurückhaltend, wenn ich erzähle, dass ich Flüchtlingen Unterkunft biete. Also lasse ich es, das Erzählen. Ich erzähle euch nicht, was ich alles noch machen möchte und vorhabe – denn es geht euch nichts an, und es interessiert euch ja sowieso nicht, keinen von euch!


Du, mein Sohn, bist noch ein Kind. Deine reine, kleine Seele wird geprägt werden von den Menschen, die dir am nächsten sind. Sie wird geprägt werden von dem, was ich mache, und von der Reaktion anderer Menschen darauf. Sie wird geprägt werden von Freunden und von dem, was du zu Hause erlebst. In deiner kindlich-naiven Liebe bewunderst du mich. Ich werde dich immer lieben und für dich da sein, egal, wie alt du bist, egal, wo du bist, egal, was du machst, egal, wo ich bin, egal, was ich tue.

 

Ihr wisst nicht, was mich wirklich bewegt. Ihr kennt meine Gedanken nicht. Ihr kennt meine Gefühle nicht. Ihr wisst nicht, was mich umtreibt. Ihr wisst nicht, was mich antreibt. Ihr wisst nicht, wer meine Freunde sind. Ihr wisst nicht, was für wunderbare Menschen ich kenne. Ihr wisst nicht, warum ich mich zu ihnen hingezogen fühle. Ihr fragt nie nach meinen Beweggründen. Ihr versteht mich nicht. Ihr könnt mich nicht verstehen, weil ihr es nie versucht. Ihr kennt mich nicht! Mein Leben ist völlig anders als eures. Ich passe nicht zu euch. Uns verbindet immer weniger. Die Distanz zu euch ist so groß, dass ich kaum mehr empfinde als Pflichtgefühl. Tiefe, innige Verbundenheit und Liebe empfinde ich zu ganz anderen Menschen. Zu Menschen, die zwar nicht meine Familie sind, mir aber  unendlich näher stehen.

 

Ihr müsst euch nicht wundern, wenn ich eines Tages Dinge tue, die euch überraschen oder die euch nicht gefallen. Ich bitte euch: Ihr habt nie etwas zu dem gesagt, was ich bisher tat, also haltet euch auch genauso mit eurer Meinung zurück, was das Künftige betrifft. Ich lebe mein Leben, und ich werde euch nicht fragen, ob euch das passt. Und überhaupt: Warum sollte euch das interessieren, wenn euch die letzten drei Jahrzehnte lang nicht interessiert hat, was ich tat? Keine Sorge, ich werde euch nicht um Hilfe bitten. Was auch immer ich mache und wo auch immer ich bin – eure Adressen werden nicht auf meiner Notfallliste stehen, ich werde euch nicht zur Last fallen und ich werde euch in Ruhe lassen. Aber wundert euch nicht, wenn ihr dann vielleicht eines Tages nichts mehr von mir hört – weil ich bei und mit den Menschen bin, die mir mehr bedeuten als ihr.

 

Vielen Dank für diese drei Minuten Aufmerksamkeit,

 

Eure Tochter, Schwester, Schwägerin, Tante, Cousine …  

 


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Kommentare: 7
  • #1

    Kathleen (Freitag, 06 September 2019 18:55)

    Es ist traurig, so eine "Familie" zu haben...
    Dein Sohn kann stolz sein, so eine Mama zu haben.
    Bleib weiter stark!

  • #2

    Edeltraut Zschau (Freitag, 06 September 2019 19:01)

    Liebe Cornelia, whoww! Das ist mal eine deutliche aber auch sehr traurig machende Ansage!
    Da hat sich über lange Zeit eine Menge angestaut und jetzt ist der richtige Moment, das alles rauszulassen! Es reinigt die Seele, auch wenn die Verwundungen immer noch und vielleicht sogar bleibend schmerzen! Andererseits gibt es Klarheit - womit du rechnen kannst und womit nicht und das setzt neue wertvolle Kräfte frei!
    Ich wünsche dir das von Herzen und vielleicht gehen wir beide wirklich für ein Projekt nach Syrien?!
    Familie kann man sich nicht aussuchen, die hat man! Aber wirkliche Freunde, auf die man zählen kann, sind unendlich mehr Wert!
    Und bei meinem nächsten freien Wochenende treffen wir uns endlich mal in Dresden! Ich habe das nicht vergessen! Mittlerweile sind es schon 3 Treffen mit Freunden in Dresden, die ich irgendwie koordinieren muss! �

  • #3

    Harriet Gräwe (Freitag, 06 September 2019 19:15)

    Mein Gott..du ahnst nicht,wie sehr ich bei diesen Worten bei dir bin..und sei dir eines gewiss,ich bin jederzeit da,wenn du mich brauchst.
    Harriet

  • #4

    Musicfreak michael (Freitag, 06 September 2019 21:27)

    Liebe Conny!
    Wir hatten wunderbare Interviews und ich bin froh, dich kennengelernt zu haben. Und wenn ich dir hier schreibe, ich kann deine Gefühle verstehen und kenne sie nur zu gut. Auch meine Familie stellt meiner Meinung nach sich selbst stets nach vorne, und auch wenn das krass klingt, ich hasse meine Stiefmutter, sie ist so derbe arrogant. Von meinem Nazibruder, der es für völlig normal hält, Seiten zu liken, die z.B. Massenmörder wie Heß rehabilitieren soll etc, ganz zu schweigen. Ich bin auch nicht sicher, ob mein Radiochef immer alles toll findet, was ich mache, weil ich eben polarisiere und Themen rund um das Menschsein von einigen wohl eher als nicht schon wieder das Thema abgewunken werden. Aber mein Konzept hat seine treuen Anhänger, und das macht es leichter mit einigen Dingen umzugehen. Fakt ist, ich verstehe nicht einige Leute, die ich gern mag nicht. Wieso duldet eine Vertriebene, dass sich jemand, der den Holocaust leugnet, ja, sich sogar über die Vertrieben lustig macht, dass sich ein widerlicher Nazi an ihren Tisch setzt..? Was richtig übel ist, dieser Nazi kann tun was er will, meine sSogenannte Familie hält immer zu ihm, während mir Jahr für Jahr nur gesagt wurde, ich sei das Problem dieser Familie. Bis ich vor einigen Monaten einen sehr deutlichen Brief geschrieben habe, was ich von dieser besch.... Familie halte und mit ihr gebrochen habe. in dem Briefhabe ich im Grunde dasselbe geschrieben wie du, dass ihnen das Schicksal anderer Menschen völlig gleich ist, solche Individuen brauchen wir nicht, sie machen uns nur krank. gehe weiter deinen Weg, es ist grandios, was du alles schaffst. Gönn dir aber auch selbst genug Ruhe, nur so wirst du deine Kraft noch lange für andere nutzen können. Und fühl dich gedrückt

  • #5

    Christian Zankl (Freitag, 06 September 2019)

    Hallo Cornelia,
    auch wenn es jetzt abgedroschen klingt: Freunde sucht man sich aus, Familie nicht!
    Ich kann das, was du geschrieben hast, leider nur zu gut nachvollziehen, da ich schon seit langen Jahren praktisch keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe und auch da waren es "ideologische Gründe", die aber weitaus weniger greifbar waren, als das Thema "Geflüchtete". Allerdings bin ich mir sicher, dass diverse Anverwandte von mir nicht anders reagieren würden, als deine Familie.
    In den letzten 2,5 Jahren habe ich dann noch die Erfahrung gemacht. dass man mit dem Thema "Geflüchtete" auch seinen "Freundeskreis" ziemlich ausdünnen kann.... sowie die Anzahl der Arbeitskollegen, die "gerne mit einem reden"....
    Ich finde so etwas maßlos traurig und wünsche dir, dass du die Kraft findest, deinen (in meinen Augen richtigen) Weg weiter zu beschreiten!
    Lieben Gruß
    Chris Zankl

  • #6

    Ingrid Boehm (Samstag, 07 September 2019 11:59)

    Liebe Conny,
    Sehr gut kann ich deine Trauer und Enttäuschung nachvollziehen, denn ich lernte mit 18 schon, vor 40 Jahren, dass meine Familie, Mutter, Stiefvater, Schwester....Rassisten sind. Ich lernte einen schwarzen Amerikaner kennen, ging mit ihm aus. Eines nachts holten wir mein Auto vor unserem Haus ab, mit Freunden, um weiter zu ziehen....
    Es war ca 01.00h, meine Mutter ging gerade ins Bett, sah aber noch, hinter der Gardine, was draußen los war. Am nächsten Tag, beim Mittagessen, fuhr sie mich an, dass ich diesen "schwatten Duebel", wie sie ihn nannte, nie wieder mit in die Gegend bringen sollte!! Die Nachbarn könnten es sehen und sie verurteilen und meiden!!!
    Das resultierte daraus, dass nach 1945 und in den 50ern, in unserer Umgebung, schwarze Amerikaner angesiedelt waren. Hafenstadt, Garnisonsstadt. Damals war in den USA noch Rassentrennung! Einige Freundinnen von ihr hatten dann schwarze Amerikaner als Freunde. Eine davon bekam 2 Kinder von ihm, aus denen natürlich nichts geworden ist, laut meiner Mutter! Was ich dann kommentierte mit den Worten-wegen Leuten wie dir-!!
    Und eine andere ihrer Freundinnen hatte wohl mehrere Freunde über die Jahre und heiratete dann am Ende einen "anständigen " Deutschen, welcher sie dann später regelmäßig, betrunken, als "Negerhure" bezeichnete .....der anständige Deutsche!!!���
    Ich bin dann mit meinem amerikanischen Freund in die USA, habe ihn geheiratet und festgestellt, dass es dort drüben noch viel schlimmer war mit dem Rassismus, denn dort wurde man von weißen Amerikanern auf offener Straße ermordet, wenn man Pech hatte. .dort war der Rassismus und die "Rassentrennung " so tief und selbstverständlich, dass ich fast noch geschockter war, als durch die Reaktion meiner Mutter! Es war für mich so sehr unverständlich, dass ich dort nicht sein wollte! Leider gab es danach auch einige persönliche Probleme zwischen uns, so dass ich tatsächlich zurück ging, zu meiner Mutter, unter der Bedingung, dass sie mir nicht sagen wird: "das habe ich dir gleich gesagt "!
    Tat sie auch nicht.
    Einige Monate später hatte ich einen Job und eine eigene Wohnung, so dass ich zu mir einlud wen ich wollte!
    Viele Jahre später lernte ich meinen 2ten Mann kennen. Einen Musiker aus Kinshasa! Da sagte mir meine Mutter, dass er bei ihr nicht willkommen ist! Mein Stiefvater las regelmäßig die "Nationalzeitung"!!
    Er gab aber immer meiner Mutter die Schuld, wenn ich versuchte mit ihm zu sprechen. Man müsste halt auf ihre Gefühle Rücksicht nehmen, denn sie hat halt diese schreckliche Erfahrung gemacht....�
    Es half alles nichts!
    Ich war willkommen aber nur alleine, ohne ihn! Das wollte ich meinem Mann auf keinen Fall antun und so sagte ich ihnen, dass ich dann auch nicht mehr kommen würde!
    Das war für sie in Ordnung. Sie starb einige Jahre später, ohne auch nur ein Wort!
    Dann wollte unser Stiefvater, dass wir ihm nun helfen....denn er hatte ja keine Schuld und wir sollten alles vergessen was war....���
    Er starb in diesem Jahr, wohl vereinsamt, in der Heimat.
    Leider klappe es mit dem 2ten Mann auch nicht und nach einigen Jahren ließen wir uns scheiden.
    Weitere Jahre später lernte ich meinen irischen, weißen Mann, kennen....mit dem es nun wohl so sein soll.....18 Jahre später, dass es passt. Wahrscheinlich wäre meine Mutter sehr froh.....��

  • #7

    Morgan Schwab (Mittwoch, 11 September 2019 18:48)

    Liebe Conny - das ist sehr traurig. Eigentlich sollte eine Familie für dich da sein. Sie sollte an Dir Anteilnehmen. Doch so, wie es ist, musst Du nicht damit leben. Manchmal ist ein Ende mit Schrecken besser, als ein Schrecken ohne Ende. Ich verstehe dich gut - und wenn Du reden willst, Du hast bei mir immer ein offenes Auge, ein offenes Herz, und offene Hände. Du hast ein gutes Herz, Du bist menschlich zu anderen, auch dann, wenn die Hautfarbe anders ist. Den Blick auf die Schwächsten, das finde ich sehr wichtig - auch für uns alle. Wir sollten uns daran erinnern, dass es uns auch nur dann gut geht, wenn es auch den Schwächsten gut geht. Wir Cree sagen : Einer Gemeinschaft geht es nur dann auch gut, wenn es den Schwächsten auch gut geht. Das wird leider sehr oft vergessen, in der heutigen Zeit. Aber in der Geschichte war die Menschheit immer stark, wenn alle zusammengehalten haben und wenn die Menschlichkeit stark in ihnen war. Hier ein Wort an deine Familie : Was Conny beschreibt, ist wirklich sehr traurig. Ihr nennt Euch Familie, aber das seid ihr nicht. Warum ? Eine Familie, in der es so leer zugeht.. da kann man nicht von Familie sprechen. Denn wie ich oben vorher sagte : Einer Gesellschaft geht es nur so lange gut, wie es den Schwächsten gut geht. Dir, Bruder von Conny - will ich sagen : Ein Auto ist tote Materie. Es kann Dir etwas nicht zurückgeben, was Menschen zurückgeben können, nämlich Wärme, Menschlichkeit.. und eben auch Zuhören. Du, Schwägerin, redest über dein Fotobuch. Ein Fotobuch ist auch tote Materie . Ja, man kann sich an die Leute vielleicht erinnern. Aber Dir war deine Schwägerin nicht so wichtig.. Dass sie Menschen hilft, das ist das, was zählt. Menschen geben viel mehr zurück, als einfach nur tote Materie. Was im Fotobuch steht, kann Dir nicht helfen, wenn Du traurig bist. Du brauchst auch Menschen um dich, echte, mit denen Du reden kannst. Und Du : Nichte von Conny. Du redest über Partys, Australien.. und dein Mann, über Autos - wie dein Vater.. und hast über einen Vogel, den sie rettete, geschrieben. Nicht aber über das, wie sie anderen Menschen hilft. Du, Cousin .. und deine Frau, ihr redet über deine ehemalige Firma, alte Zeiten und Hunde. Ja, ihr sprecht über das, was Euch bewegt - aber ihr habt Conny verboten, darüber zu sprechen, was sie bewegt. Wenn ich mir das ansehe, dann sehe ich da nicht Familie, sondern eher eine grosse Leere in Euch. Die füllt Ihr, in dem Ihr über tote Dinge sprecht, damit Euch die Leere nicht bewusst wird. Damit Ihr nicht merkt, wie leer Euer Leben eigentlich ist. Denn sonst würdet Ihr Probleme bekommen, innerlich, in Eurer Leere. Vielleicht habt Ihr deswegen Conny verboten, über das zu sprechen, weil sonst Eure Leere brüllend laut wird - und Ihr dann nicht mehr wisst, was Ihr dagegen tun sollt.

    Und dann die Geschichte, in der sich Conny um die Mutter kümmern sollte, die immer älter wird. Was ist das für eine Gesellschaft, in der man die eigene Mutter abschiebt, zu jemandem aus der Familie ( der dafür bekannt ist, sozial zu sein ), und selber nichts tun wollen ? In der Welt, aus der ich komme, kümmert sich jedes Familienmitglied um die Eltern. Meine Brüder und meine Schwestern kümmern sich nämlich um die Eltern - und das heisst, dass nicht nur eine Person sich darum kümmert, sondern alle. Die Zeit bringt man auf für die Familie. Eure Welt, liebe weisse Familie, finde ich oft traurig und leer vor. Dass man sich umeinander kümmert, ist in der Welt der Natives ganz normal. Bei Euch leider oft nicht. Es ist traurig zu hören, wie es Conny ergangen ist. Und es ist entsetzlich, so etwas lesen zu müssen. Ihr könnt das ändern. Wie ? In dem Ihr endlich miteinander sprecht, jeden erzählen lasst, auch Conny. Und jeder seinen Teil beiträgt, bei der Mutter. Warum soll einer allein die Last übernehmen ? Wenn man die Last zusammen teilt, dann wird sie leichter. Zu guter Letzt : Wir alle sind miteinander verwandt. Und wir alle können zusammen beitragen, dass die Welt ein besserer Ort wird - so wie Conny es macht. Das könnt Ihr auch - zusammen mit Conny. Aber dafür müsst Ihr Eure Herzen öffnen, Eure Ohren, Eure Augen.. und eure Hände.

    Die Beiträge hier .. geben mir zu denken. Eure Familien haben das, was Menschlichkeit ist, verlernt - das ist traurig. So sollte es nicht sein. Ich nehme Euch alle in den Arm, ihr - die da beschreibt, wie es in Euren Familien ist. Wenn ihr reden wollt, bin ich für Euch gern da. Was ich geben kann ? Zeit, ein offenes Herz, und offene Augen.. und ein offenes Ohr ( ja, obwohl ich nicht so gut höre.. oder so gut sehen kann. ) Ich bin nicht reich ( Geld und das gelbe Metall, das ihr Weissen so begehrt, das habe ich nicht.) Aber dafür ein Herz.

    Gruss Morgan